Icelandic Open Akureyri 2019

Als Herbert und ich Ende November eine Einladung zum „Icelandic Open“ anlässlich des hundertjährigen Bestehens des Akureyri Chessclub bekamen, waren wir uns schnell einig, dass wir da mitspielen müssen.
Am bekannten Reykjavík-Open hatten wir schon einige Male teilgenommen, den hohen Norden Islands 60 km südlich des Polarkreises galt es schachlich und touristisch noch zu erforschen.
Zudem versprach der Termin Ende Mai besseres Wetter als wir es von Reykjavík im März bzw. April kannten.
Daniel, der 2017 in Reykjavík mit am Start war, wäre auch gerne wieder mitgekommen, leider kamen für ihn wichtige Verpflichtungen an der Uni dazwischen.

Anreise

Mutig buchten wir ein Sparpreis-Ticket bei der Deutschen Bahn zum Frankfurter Flughafen. Vor drei Jahren hatten wir schlechte Erfahrungen gemacht, als ausgerechnet am Tag, an dem wir nach Reykjavík fliegen wollten, sämtliche Züge Richtung Mannheim und Frankfurt ausfielen. Glücklicherweise sind wir damals mit dem Auto noch rechtzeitig zum Flughafen gekommen. Diesmal, am Donnerstag den 23. Mai 2019, ließ uns die Bahn aber nicht im Stich, und unsere Züge waren pünktlich.

Der Flug nach Keflavík verlief abgesehen von einer 20-minütigen Verspätung und dem nicht mehr verfügbaren Tomatensaft an Board problemlos. Weiter nach Akureyri ging es dann über Vulkane und Seen mit einer kleinen Propellermaschine.
Auffallend war, dass Herbert sowohl in Frankfurt als auch in Keflavík bei der Sicherheitskontrolle ungewöhnlich gründlich gefilzt wurde. Wir spekulierten darüber, ob er vielleicht Ähnlichkeit mit einem gesuchten Straftäter hat!?
Da alkoholische Getränke in Island teuer sind, deckten wir uns im Duty-free-Shop mit jeweils einer Flasche isländischem Gin und Schnaps (Brennivín) ein. Ersterer war als Belohnung für eine gewonnene Partie, letzterer als Trost nach einer Niederlage gedacht. Nach einem Remis sollte es dann beides geben.
Ein Taxi brachte uns zu unserem Appartement, welches mit einer gut ausgestatteten Küche aufwarten konnte. Herbert hatte zur Bedingung gemacht, dass wir uns täglich Spaghetti selber kochen können, um nicht die stolzen Preise in den isländischen Restaurants zahlen zu müssen. Offenbar hat er das Trauma noch nicht überwunden, als er sich vor drei Jahren in Reykjavík eine Pizza „Vesuvio“ bestellte, die nicht nur umgerechnet mehr als 20 Euro kostete, sondern auch passend zum Namen leicht angekokelt serviert wurde.
Glücklicherweise hatte der Supermarkt um die Ecke bis Mitternacht (wo es immer noch taghell ist!) geöffnet, so dass wir uns kiloweise mit Spaghetti eindecken konnten.

Freier Tag

Da das Turnier erst am Samstag startete, hatten wir den Freitag zu unserer freien Verfügung. Wir setzten uns morgens in einen Linienbus und fuhren zur Endstation Siglufjörður, einem abgelegenen Fischerort an einem Fjord ganz im Norden der Insel. In den Glanzzeiten des Heringsbooms hatte der Ort über 3000 Einwohner, jetzt sind es noch etwa 1200. Heutzutage kennt man ihn eher als Drehort der spannenden Krimiserie „Trapped – Gefangen in Island“.

Es muss erwähnt werden, dass Herbert für die eineinhalbstündige Busfahrt, bei der wir die meiste Zeit die einzigen Fahrgäste waren, und die durch drei lange und enge Tunnel führte, als Rentner nur 800 Kronen (etwa 5,80 Euro) zahlte, während ich den dreifachen Preis berappen musste. Als Entschädigung spendierte mir Herbert ein großes Bier in einem gemütlichen Café, in dem wir unsere Zeit verbrachten, bis das sehr sehenswerte „Herring Era Museum“ seine Pforten öffnete.
Abends im Appartement, nach den selbst gekochten Spaghetti, wurden schon mal alle möglichen Partieausgänge mithilfe von Gin und Brennivín durchexerziert.

Anmeldung und 1. Runde

Am Samstagmittag meldeten wir uns zum Turnier im modernen Kultur- und Konferenzzentrum „Hof“ an, in dem gerade eine Hochzeit in traditionellen isländischen Trachten gefeiert wurde. Cheforganisator Áskell Kárason kannte mich noch, da wir vor zwei Jahren in der letzten Runde im Reykjavík-Open gegeneinander gespielt hatten (das Turmendspiel endete damals remis).
Um 15 Uhr wurde es dann ernst. Herbert und ich bekamen jeweils um 500 bis 600 Elo-Punkte schwächere Gegner zugelost.
Herberts Gegner überstand noch die Eröffnung, brach dann aber im Mittelspiel schnell zusammen.
Ich bekam aus der Eröffnung heraus Initiative, versäumte es aber in Zeitnot, den Sack zuzumachen, und ließ den Gegner in ein Turmendspiel mit Minusbauer entkommen. Dieses verteidigte er dann sehr zäh, so dass in der längsten Partie der Runde nicht mehr als ein Remis für mich heraussprang. Das bestätigte meine Befürchtung, dass die Elo-Zahlen der Isländer nicht viel mit ihrer tatsächlichen Spielstärke zu tun haben.
Nach den Partien ging es direkt in den Pub, wo wir den Hauptschiedsrichter sowie den IT-Experten des Turniers trafen und bei isländischem Bier bis spät in die Nacht interessante Einblicke in die isländische Schachszene bekamen.

Barthel, Ansgar (GER) 2062 ½ – ½ Jónsson, Stefán G (ISL) 1568
Signýjarson, Arnar Smári (ISL) 1488 0 – 1 Dietzsch, Herbert (GER) 2059

2. und 3. Runde

Am Sonntag gab es dann Schach pur, da ausgerechnet an dem Tag mit dem schönsten Wetter eine Doppelrunde angesetzt war.
Herbert hatte mit Bragi Þorfinnsson einen isländischen Großmeister zugelost bekommen, während ich gegen einen Kanadier antreten musste, der am Vortag Ivan Sokolov am ersten Brett an den Rand einer Niederlage gebracht hatte. Meine Partie endete nach ausgeglichenem Verlauf remis, während Herbert seine Niederlage damit entschuldigen konnte, dass uns morgens die Kaffeekapseln ausgegangen waren und wir uns beim Frühstück mit Tee begnügen mussten.

Dietzsch, Herbert (GER) 2059 0 – 1 GM Þorfinnsson, Bragi (ISL) 2451
Ruelland, Geoffrey (CND) 1955 ½ – ½ Barthel, Ansgar (GER) 2062

In der Nachmittagsrunde seilte sich Herbert gegen seinen jungen isländischen Gegner schnell ins Remis ab, da er bereits vorgewarnt war, dass man sich von den niedrigen isländischen Elo-Zahlen nicht täuschen lassen darf.
Mir gelang es am Nachbarbrett, meinen Gegner in einer langen Partie niederzuringen, nachdem die Stellung lange Zeit ausgeglichen war.

Barthel, Ansgar (GER) 2062 1 – 0 Jónsson, Ólafur Gísli (ISL) 1771
Finnsson, Jóhann Arnar (ISL) 1789 ½ – ½ Dietzsch, Herbert (GER) 2059

Diamond Circle Tour

Den Montag hatten wir für das touristische Programm vorgesehen. Jeder Spieler hat in den ersten sieben Runden zweimal die Möglichkeit, sich nicht auslosen zu lassen, wofür es jeweils einen halben Punkt gibt.
Wir nahmen unser erstes „Bye“ in der vierten Runde für die „Diamond Circle Tour“, einer etwa 10-stündigen Rundreise, die zu einigen der schönsten Sehenswürdigkeiten im Nordosten Islands führt.

Eine solche Tour zu buchen stellte sich als schwieriger heraus als erwartet. Da der Mai noch außerhalb der Hauptsaison liegt, musste die freundliche Dame vom Touristenbüro lange telefonieren, bis sie mit „Imagine Iceland Travel“ schließlich einen Veranstalter fand, der die Tour mit uns machen wollte.

Das Unternehmen war erst im Vorjahr gegründet worden und verfügte über einen nagelneuen Minibus, der für 16 Personen zugelassen war. Da Herbert und ich die einzigen Teilnehmer blieben, hatten wir jede Menge Platz und bekamen von unserem Reiseleiter und Fahrer Ármann eine sehr fachkundige und persönliche Führung mit zusätzlichen Zwischenstopps geboten. Nur Herberts Wunsch nach einer Tasse Kaffee inmitten des isländischen Hochlands konnte nicht erfüllt werden.

Dafür bekamen wir mit dem Goðafoss, Dettifoss und Selfoss (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Ort, in dem sich Bobby Fischers Grab befindet) drei der schönsten Wasserfälle Islands zu sehen, wobei der imposante Dettifoss als der energiereichste Wasserfall Europas gilt.

Weitere Stationen waren der Mývatn („Mückensee“), dessen Bewohner uns aufgrund der Kälte zum Glück verschonten, die bizarren Basaltfelsen Hljóðaklettar (mein persönliches Highlight), die hufeisenförmige Schlucht Ásbyrgi, von der man sagt, dass Odins achtbeiniges Pferd Sleipnir hier einen Hufabdruck hinterlassen hat, eine Steilklippe auf der Halbinsel Tjörnes, auf der hunderte von Papageientauchern nisteten, sowie die Hafenstadt Húsavík, die als Ausgangspunkt für Walbeobachtungen bekannt ist.
Ein wunderschöner Tag ganz ohne Schach, der uns viele Facetten des isländischen Wetters von strahlendem Sonnenschein über Regen bis hin zu heftigem Schneefall zeigte.

5. Runde

Leider holte uns am nächsten Tag der Ernst des Lebens ein, und wir mussten wieder am Schachbrett antreten.
Zuvor wurden aber neue Kaffeekapseln eingekauft!
Herbert hatte es mit einer isländischen Nationalspielerin zu tun, die ihm keine Chance auf einen vollen Punkt ließ.
Ich wurde von meinem Gegner ausgekontert, nachdem ich in der Eröffnung die Bauern vor meinem König weit vorgezogen hatte. Ich hatte dabei außer Acht gelassen, dass ein junger isländischer Spieler mit Elo 1847 durchaus wie ein 2200er spielen kann.

Harðarson, Pétur Pálmi (ISL) 1847 1 – 0 Barthel, Ansgar (GER) 2062
Dietzsch, Herbert (GER) 2059 ½ – ½ Jóhannsdóttir, Jóhanna Björg (ISL) 1908

6. Runde

Eigentlich hatten wir für den Mittwoch unser zweites „Bye“ geplant, um eine Mikrobrauerei zu besichtigen, die im Sommer Bäder in mit Bier gefüllten Bottichen anbietet. Nach meiner Niederlage am Vortag wollte ich dann aber doch lieber spielen, um die Scharte auszuwetzen.
Vor der Runde deckten wir uns in einem Outlet-Store mit warmer Kleidung für den nächsten Island-Urlaub ein.
Diesmal gelang es mir, einen vollen Punkt zu holen, nachdem meinem Gegner direkt nach der Eröffnung ein grober taktischer Fehler unterlaufen war.
Herbert spielte gegen einen älteren Gegner, der früher mal eine Elo über 2100 gehabt haben soll. Die Eröffnung verlief in eher ruhigem Fahrwasser, und man einigte sich nach wenigen Zügen auf remis. Nach der Partie wurde Herbert von seinem Gegner gefragt, warum er sich denn so viel Zeit für seine Züge gelassen habe. Sein erster Bus sei nun schon weg, und er müsse lange auf den nächsten warten. Immerhin kam Herbert dadurch in den Genuss, die Partie mit seinem Gegner analysieren zu können, wobei nicht ganz geklärt werden konnte, ob Herbert wirklich so schlecht stand wie er während der Partie dachte.

Barthel, Ansgar (GER) 2062 1 – 0 Ólafsson, Smári (ISL) 1939
Valtýsson, Þór (ISL) 1896 ½ – ½ Dietzsch, Herbert (GER) 2059

Mývatn-Tour und 7. Runde

Der Donnerstag war der letzte Tag, an dem ein „Bye“ genommen werden konnte. Eine Tour mit einem öffentlichen Bus kam nicht in Frage, da die Busse an Christi Himmelfahrt nur selten fuhren. Wir erkundigten uns daher erneut im Touristenbüro, welche Touren an diesem Tag angeboten werden. Diesmal gab es nicht das Problem, dass sich zu wenig Teilnehmer fanden, denn im Hafen hatte ein großes Kreuzfahrtschiff angelegt, dessen Passagiere auch etwas vom Land sehen wollten.

Daher waren alle Tour-Veranstalter an diesem Tag ausgelastet. Aber erneut fand sich eine Lösung. In einem Bus zum Mývatn waren noch zwei Plätze frei, und da die Kreuzfahrer um 15 Uhr wieder auf ihrem Schiff sein mussten, würden wir es auch pünktlich zu unserer Runde im Turnier schaffen. Wir brauchten also kein „Bye“ und konnten uns normal auslosen lassen.

Ich bekam mit Helgi Áss Grétarsson erstmals einen nominell stärkeren Gegner zugelost, der nicht nur Großmeister ist, sondern auch Ex-Juniorenweltmeister und amtierender isländischer Landesmeister. Herbert wurde gegen einen Isländer mit Elo 1790 gelost.

Zu unserer Freude holte uns derselbe Bus mit demselben Fahrer wie am Montag ab, aber diesmal war der Bus voll besetzt, und wir fanden gerade noch zwei Plätze in der letzten Reihe. Was für ein Unterschied!

Einige der Stationen der Tour wie den Goðafoss, das Lavafeld Dimmuborgir und das Hochtemperaturgebiet Hverarönd hatten wir am Montag schon gesehen, aber nun blieb uns mehr Zeit, umherzulaufen und alles noch einmal genauer anzusehen.
Außerdem gab es für uns neue Sehenswürdigkeiten wie die Pseudokrater Skútustaðagígar und die Badehöhle Grjótagjá (in der eine Szene aus „Game of Thrones“ gedreht wurde).

Pünktlich zu Rundenbeginn saßen wir an unseren Brettern.
Herbert wählte ein bekanntes Gambit in der italienischen Eröffnung, verwechselte dann aber die Züge. Zum Glück fand sein Gegner nicht die stärkste Fortsetzung, und Herbert konnte später die Dame gewinnen.

Der Großmeister schien enttäuscht, dass ich ihm nicht in eine vorbereitete Variante gelaufen war, aber wegen fehlender Vorbereitung meinerseits (aufgrund des Ausflugs) kam es mir klüger vor, eine Eröffnung zu spielen, die wenig Theoriekenntnisse erfordert. Nach langem Nachdenken lenkte mein Gegner die Partie in unkonventionelle Bahnen, woraufhin er drohte, mich langsam zusammenzuschieben.
In Zeitnot setzte ich alles auf eine Karte und warf meine Figuren in Richtung gegnerischer König, was ein Springeropfer einbezog. Zunächst selber mit wenig Zeit, fand mein Gegner nach der Zeitkontrolle die Widerlegung nicht, und ich konnte nach 37…Sc3! (erstes Diagramm) 38.Kc3: Da3:+ 39.Sb3 Sa2+ 40.Kc2 Sb4+ 41.Kc3 Sa2+ 42.Kd2! Db3: 43.Tb1? (43.Tc4!+-) mit 43…Sc3! (zweites Diagramm) ein zweites mal einen Springer auf das Feld c3 zaubern.
Nach 44.Tb3: Se4:+ 45. Ke3 Sc5: 46.Lc5: Tc5: 47.Td7 ergab sich ein Doppelturmendspiel (drittes Diagramm), in dem meine zeitweiligen Mehrbauern durch die aktiven Türme des Gegners kompensiert wurden.
Die Partie ging weiter mit 47…ef5: 48.Tbb7: fg4: (einfacher remisiert 48…Te5:+ 49.Kf4 Ta5 50.gf5: f6=) 49.Ta7:+ Kb8 50.Tdb7+ Kc8 51.Kd4 Ta5 52.Tc7+ Kb8 53.Tab7+ Ka8 54.Tf7: (viertes Diagramm).
Hier verpasste ich die starke Sequenz 54…g3! 55.Tg7: Te8!, wonach entweder der weiße e-Bauer fällt, oder Weiß nach 56.Tbe7 Te7: 57.Te7: Ta4+ 58.Kc5 Tg4 59.Kb6 Tg8 mit 60.e6 g2 61.Ta7+ das Remis forcieren muss.
Stattdessen griff ich mit 54…Td8+? fehl, so dass Weiß mit 55.Tbd7 aufgrund seines starken e-Freibauern Vorteil erlangte.
Schließlich schaffte es der Großmeister doch noch, die erneut längste Partie der Runde gegen mich zu gewinnen.

GM Grétarsson, Helgi Áss (ISL) 2433 1 – 0 Barthel, Ansgar (GER) 2062
Dietzsch, Herbert (GER) 2059 1 – 0 Leósson, Atli Jóhann (ISL) 1790

8. Runde

Am Freitagvormittag blieb uns etwas Zeit für einen Bummel durch die Einkaufsstraße von Akureyri. Dabei konnte ich Herbert als Abwechslung zu den täglichen Spaghetti ausnahmsweise zu „Fish and Chips“ überreden, was dann aber aufgrund des Preis-Leistungsverhältnisses schnell bereut wurde.

Nachmittags hatte Herbert erneut Weiß gegen ein 12-jähriges isländisches Nachwuchstalent, aber der Junge spielte dermaßen solide, dass für Herbert wieder nicht mehr als ein halber Punkt heraussprang.

Ich hatte mir mit Weiß einen ganzen Punkt zum Ziel gesetzt und in der Eröffnung einen Bauern für Entwicklungsvorsprung und Läuferpaar geopfert. Als mir mein Gegner Remis anbot, suchte ich nach allen möglichen Fortsetzungen, das Spiel zu verkomplizieren, und wurde schließlich bei einem Figurenopfer fündig, von dem ich mir Angriffschancen versprach. Unglücklicherweise konnte mein Gegner den Angriff relativ leicht abwehren, wonach sich seine Mehrfigur durchsetzte.
Abends fand im Pub ein Schach-Quiz für Zweier-Teams statt. Herbert und ich traten wie schon in Reykjavik unter dem Namen „Bärmesenser Schlabbefligger“ an.
Auch hier mussten 30 zum Teil sehr schwierige Fragen beantwortet werden, was nicht verwunderte, da mit FM Ingvar Johannesson derselbe Quizmaster wie in Reykjavík für die Fragen verantwortlich war.
Im Unterschied zu Reykjavik, wo die Antworten auf ein Blatt Papier geschrieben und anschließend vom Nachbartisch ausgewertet wurden, spielten wir in Akureyri mit Handy-App, so dass man nach jeder Frage automatisch über den aktuellen Zwischenstand informiert wurde.
Kurz vor Schluss lagen wir auf dem dritten Platz, schwächelten dann aber bei den letzten Fragen, so dass wir uns statt mit der Bronze-Medaille mit dem 4. Platz begnügen mussten.
Immerhin waren wir die besten, allerdings auch die einzigen nicht-isländischen Teilnehmer.

Dietzsch, Herbert (GER) 2059 ½ – ½ Briem, Benedikt (ISL) 1811
Barthel, Ansgar (GER) 2062 0 – 1 Sigurðarson, Tómas Veigar (ISL) 1994

9. Runde und Siegerehrung

Die letzte Runde am Samstag begann schon am Vormittag. Nach einem ausgedehnten Frühstück mit Vollkornbrot, Käse, Spiegelei und Kaffee ging es dann gestärkt ans Brett.

Herbert hatte Schwarz gegen meinen Gegner aus der 5. Runde. Um einer Vorbereitung zu entgehen, spielte er, von Helmuts Eröffnungsrepertoire inspiriert, die Damenindische Verteidigung, und noch dazu eine recht „altmodische“ Variante, wie ihm sein Gegner nach der Partie verriet. Zu Herberts Glück war er offenbar mit den Feinheiten dieser Variante nicht vertraut, sonst hätte er sicherlich in der Diagrammstellung den starken Zug 9.Sg5!! entkorkt, wonach Weiß in Vorteil kommt: 9…Lg5: (9…Sc3:? 10.Dc2!) 10.Lg5: Dg5: 11.Se4: Le4: (11…De7? 12.Sf6+!) 12.Le4:± (Adhiban – Prasanna Raghuram, New Delhi 2010).
Nach der Partiefortsetzung 9.Se4: Le4: war die Stellung ausgeglichen, und man einigte sich bald auf Remis.

Ich spielte, ebenfalls mit Schwarz, gegen eine isländische Nationalspielerin. Nach der Eröffnung ergab sich eine ausgeglichene, harmlos aussehende Stellung, was mich zu einem wenig durchdachten Läuferzug verleitete. Zu meinem Glück sah meine Gegnerin nicht den Damenzug, der zu einem undeckbaren Matt geführt hätte. Sie drohte zwar ebenfalls Matt, aber das konnte ich leicht abwehren. Danach war die Stellung wieder im Lot, aber nur meine Gegnerin konnte versuchen, auf Gewinn zu spielen. So wich sie mehren Remisfortsetzungen aus, vermutlich um Chancen auf den Damenpreis zu wahren. Schließlich bot ich einen Damentausch an, der zu einem für mich vorteilhaften Endspiel geführt hätte. Nachdem meine Gegnerin den Damentausch abgelehnt hatte, war meine Dame gut zentralisiert, und ich konnte ein paar Züge später in ein gewonnenes Läuferendspiel abwickeln. Somit gab es für mich zumindest noch einen versöhnlichen Abschluss des Turniers.

Harðarson, Pétur Pálmi (ISL) 1847 ½ – ½ Dietzsch, Herbert (GER) 2059
Finnbogadóttir, Tinna Kristín (ISL) 1855 0 – 1 Barthel Ansgar (GER) 2062

Anschließend fand die Siegerehrung statt, auf der kostenlos Snacks und Getränke angeboten wurden.
Sieger des Turniers wurde Ivan Sokolov (NED) vor Hannes Stefánsson (ISL) und Tiger Hillarp Persson (SWE).
Ivan Sokolov war als Titelverteidiger angetreten, da er das Turnier bei seiner erstmaligen Austragung vor 25 Jahren schon einmal gewonnen hatte.
Der Akureyri Chessclub hofft auf Sponsoren, um das Turnier zukünftig regelmäßig, vielleicht sogar jährlich, ausrichten zu können.

Alle Ergebnisse des Turniers gibt es hier:
Icelandic Open

Reykjavík

Die erste Etappe der Rückreise am Sonntagmorgen ging gemütlich wieder mit einer kleinen Propellermaschine direkt nach Reykjavík.
Hier schlenderten wir, nachdem wir die „beste Hummersuppe der Welt“ (bei der das Preis-Leistungsverhältnis laut Herbert gut ist) genossen hatten, über den berühmten Flohmarkt Kolaportið, auf dem unter anderem preiswerte Strickwaren angeboten werden.


Für abends hatten wir einen Tisch in einem uns bereits bestens bekannten Fischrestaurant reserviert, wo man am Buffet Köstlichkeiten wie Lachs, Kabeljau und Muscheln bekommt, aber auch Hákarl („Gammelhai“) mit dem dazugehörigen Brennivín.

Epilog

Zur Rückreise am Montag ist zu sagen, dass wir beide noch am selben Tag zu Hause angekommen sind. Aber vorher gab es einige Hürden zu überwinden.
Morgens holte uns der Kleinbus zum zentralen Busbahnhof nicht von unserem Gästehaus ab, so dass wir ein Taxi nehmen mussten, um den Bus zum Flughafen Keflavík eine halbe Stunde später als geplant zu erwischen.
Da Herbert bei der Sicherheitskontrolle noch gründlicher gefilzt wurde als am Hinweg, erwischten wir unseren Flieger gerade noch mit dem „Last Call“.
In Frankfurt, wo wir uns an die sommerlichen Temperaturen von 30°C gewöhnen mussten, hatte der ICE Verspätung, so dass wir den geplanten Anschlusszug in Mannheim nach Kaiserslautern nicht mehr bekamen.
Zum Abschluss traf es nochmal Herbert, als sein Zug nach Pirmasens zunächst einen ungeplanten 20-minütigen Halt in Waldfischbach machte, und es dann in Pirmasens-Nord (!) überraschend für alle Fahrgäste hieß: „Dieser Zug endet hier. Bitte alle aussteigen!“.