Heidelberger Schachherbst

Vom 03. bis 06. Oktober 2019 fand erstmals das Heidelberger Schachherbst – Turnier statt. Ausgerichtet wurde das Turnier von „berndschessfactory“, der Schach-Firma des Frankenthalers Bernd Kühn.

In insgesamt sieben Runden stellten sich Daniel Marhöfer und Pascal Laag im A, sowie Miguel Scheibler und Jan Raaphorst im B- Turnier den hauptsächlich aus Baden und der Vorderpfalz stammenden Gegnern. Im Folgenden eine kurze Beschreibung der Partien.
Der Übersicht halber verzichtet der Autor darauf, jede einzelne Partie im Detail zu schildern und erlaubt sich, in manchen Runden nur ein oder zwei Partien anzusprechen….

03. 10. 2019 – Runde 1&2

Runde 1: Daniel : In der ersten Runde spielte Daniel gegen Stephen Kutzner. Daniel wollte eigentlich in das Wolga-Gambit gehen, war sich jedoch am Brett unsicher, wie man weiterspielen sollte. Von Zweifel geplagt, büßte er rasch einen Bauern ein. Auch die Entscheidung einen Springer in der feindlichen Stellung zu parken, erwies sich als nicht gut. Doch verheerend war erst die Zeitnotphase: Daniel blickt absolut konzentriert aufs Brett – dann ein kurzer Blick auf die Uhr – die Feststellung, dass er nur noch 30 Sekunden hat… und ein nicht durchgerechnetes Opfer. Danach ging die Partie ziemlich schnell vor die Hunde.
Miguel: In seinem ersten Gehversuch mit dem Londoner System tat Miguel sich gegen einen schwächeren Gegner lange sehr schwer. Erst nach gravierenden Fehlern im Endspiel konnte er den vollen Punkt einfahren.

Runde 2: Miguel: Miguel erspielte sich – diesmal mit der französischen Verteidigung eine ausgezeichnete Stellung. Früh war es ihm möglich, seine Figuren gut stehen zu lassen und fehlende Theoriekenntnisse des Gegners brachten ihm einen Bauern plus ein. Im Endspiel kippte die Partie immer mehr zu Miguels Gunsten, doch erst nach Verlust drei weiterer Bauern und des Springers gab sich sein Gegenüber geschlagen.
Traumstart für Miguel – 2/2!
Jan: Jan spielte gegen Jennifer Kern, eine ihm wohlbekannte zehnjährige Jugendspielerin des SK Frankenthal. Jan erhielt in dieser Partie im Schotten eine gute Stellung mit einem Mehrbauern. Leider verrechnete er sich in einer Kombination, sodass Jennifer die Qualität gewann. Nach der Partie meinte ein anonymer Spieler des SCP „Jan, sie wollte dich nur nicht zum weinen bringen…“

04. 10. 2019 – Runde 3&4
Runde 3: Pascal Insgesamt war es für Pascal ein Turnier zum Vergessen. Was sollte man anderes erwarten, wenn man der vorletzte in der Setzliste ist?
Nach einer Auftaktniederlage und spielfrei in der 2. Runde wartete in Runde 3 ein weiterer junger und starker Gegner auf ihn. In der sizilianischen Verteidigung hielt Pascal zwar durchaus über sehr weite Strecken mit, allerdings reicht bekanntlich ein kleiner Fehlgriff manchmal, um ganze Partien zu ruinieren… In dem Fall war es ein inkorrektes Bauernopfer.
Erst im Endspiel in mäßiger Zeitnot musste Pascal die Partie verloren geben. Immerhin, ein wenig länger durchgehalten als in Runde 1…. allerdings wollen wir nicht vom Nachmittag sprechen.

Miguel Für Miguel könnte es das ganz große Turnier werden… In der dritten Runde ging es gegen den Erstgesetzten des B- Turniers. Miguel spielte mit weiß gegen die Caro-Kan- Verteidigung und entschied sich für ein auf den ersten Blick nicht ungefährlich aussehendes Läuferopfer auf h6. Leider war die Stellung minimal anders als die, die Miguel im Kopf hatte – das Opfer war inkorrekt und Miguel spielte noch eine Weile mit Figur weniger weiter. Irgendwann merkte er, dass das Unterfangen sinnlos war und gab sich geschlagen. Der Sprung in die absolute Spitze war somit missglückt.

Runde 4: Daniel Der zweite Turniertag war einfach Daniels Tag: In Runde 3 hatte Daniel bereits Losglück gehabt und den Setzlistenletzten in einer herrlichen Angriffspartie überspielt – in der Nachmittagspartie kam Daniel ebenfalls in eine hervorragende Stellung gegen den Frankenthaler Volker Louis. Im Endspiel wickelte Daniel jedoch ungünstig ab und die Partie endete Remis. Trotzdem waren die 1,5 Punkte an dem Tag eine starke Leistung.

Jan Nicht nur Miguels Tag gekommen – auch Jan spielte am zweiten Turniertag groß auf. Mit zwei offensiven Partien konnte Jan seine beiden Gegner überwältigen und überholte nach dem Fehlstart sogar den am ersten Tag noch so glänzenden Miguel in der Tabelle des B-Turniers.

3. Turniertag 05.10.2019 – Runde 5&6

Runde 5: Pascal „Wenn gar nichts klappt, klappt Grünfeld.“ war das Motto Pascals in der 5. Runde. Die Grünfeld-Indische Verteidigung, die sich Pascal im Sommerurlaub in Griechenland angeeignet hatte, fand somit erstmals in der Praxis Anwendung. Nach einem Anfangsstolperer im 7. Zug brach Pascal im Zentrum durch und engte den Gegner zusammen. Die Stellung wurde vom Computer als ausgezeichnet eingeschätzt, allerdings musste Pascal sich in der Analyse eingestehen, dass er den Computerzug (Lb7- c8) mit einer sehr genauen positionellen Finte – wohl nicht gesehen hätte. Immerhin ein halber Punkt…
Highlight vor der 5. Runde war die wundervolle Sightseeing-Tour in Mannheim, angeregt vom Navigationsgerät des Autors, weshalb die Pirmasenser fünf Minuten zu spät eintrafen…

Runde 6: Daniel Daniels Partie sah lange gar nicht mal so gut aus. Ein Dameneinsteller des Gegners jedoch machte den vollen Punkt für Daniel erneut möglich. Der Leser sei an dieser Stelle daran erinnert, dass ein jeder Schachspieler auch ein Mensch ist. Fehler sind bekanntlich menschlich, man sollte sich also nicht von einer DWZ- Zahl abschrecken lassen. Immerhin war Daniels Gegner über 2000 DWZ-Punkte stark.

Finaler Turniertag 06.10.2019 – Runde 7

Runde 7: Miguel , Jan
Miguel und Jan wurden mit je 3,5 Punkten gegeneinander gelost. Jan, die weißen Steine führend, kannte sich jedoch im Franzosen nicht gut genug aus, was MIguel ausnutzte und Jans Zentrumsbauern verspeiste. Miguel spielte sehr schnell, was Jan dazu zwang, nicht zu lange nachzudenken.
Letztlich erwies sich Miguels Eröffnungsvorteil als so groß, dass Jan sich geschlagen geben musste.

Endresultate:

A- Turnier
Pascal Laag: 2,5/7
Daniel Marhöfer: 3,5/7
(Elias Friedrich: 2/7)

B- Turnier

Jan Raaphorst: 3,5/7
Miguel Scheibler: 4,5/7

Insgesamt war das Turnier in Heidelberg – trotz enormer Anfahrtszeit – ein tolles Erlebnis. Es wurden viele lehrreiche Partien gespielt, die teilweise wohl noch eine ganze Weile im Gedächtnis bleiben würden. Neue Kontakte zu Spielern wurden geknüpft, manches bekannte Gesicht war anzutreffen und die Pirmasenser Spieler hatten – trotz nicht immer so ganz überzeugender Ergebnisse – großen Spaß an diesem Turnier.
Wir sind gespannt auf eine mögliche zweite Auflage dieses Turniers.

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