Ansgar Barthel ist Pfälzischer Schnellschachmeister 2020

Pfälzische Schnellschach- und Blitzmeisterschaft in Dittweiler

Teilnehmerbericht von Ansgar Barthel (SC Pirmasens)

Am Samstag den 15. Februar fanden im Bürgerhaus Dittweiler die Pfälzischen Einzelmeisterschaften im Schnell- und Blitzschach statt. Ausrichter war der Schachverein Kohlbachtal, der in diesem Jahr um Ostern herum auch den 89. Pfälzischen Schachkongress in Waldmohr organisiert.
Ungewöhnlich war nicht nur, dass beide Meisterschaften am selben Tag gespielt wurden, sondern auch, dass diese vom Kongress abgekoppelt bereits knapp zwei Monate vorher durchgeführt wurden.
Begründet wurde das in einem Rundschreiben an die Vereine vom November 2019 wie folgt:
„Der Rheinland-Pfälzische Schachbund hat seine Meisterschaften 2020 vorgezogen. Diese würden vorm Kongress stattfinden und der Pfalz würden so die Qualifikanten fehlen.“
Auf dem Kongress sollen dann bereits die Pfalzmeister im Schnell- und Blitzschach für das Jahr 2021 ermittelt werden. Im nächsten Jahr wird es dann wieder wie gewohnt nur noch die Turniere im Rahmen des Kongresses geben.

Zum Glück hatte mir Harald Lares während unserer gemeinsamen Fahrt zum Auswärtskampf nach Schwegenheim erzählt, dass er sich zu einem „Pfalz-Schnellschachturnier“ Mitte Februar angemeldet hat. Daraufhin recherchierte ich, was das denn für ein Turnier sein könnte, und stieß auf der Kongress-Homepage auf die Ausschreibung. Ansonsten wäre mir der Termin vermutlich durch die Lappen gegangen.

Da ich Schnellschach als gutes Training für den am nächsten Tag stattfindenden Mannschaftskampf gegen den SC Landskrone ansah, machte ich mich am Samstagmorgen auf den Weg in den Landkreis Kusel.
Im Bürgerhaus Dittweiler angekommen dachte ich zunächst, dass sich das Turnier nicht groß herumgesprochen hat, aber nach und nach trudelte die Creme de la Creme des pfälzischen Schachs ein, so dass die Besetzung stärker war als von mir erwartet.
Vom SC Pirmasens war außer mir nur noch Harald Lares dort.

Gespielt wurde in drei Gruppen A, B und C, die nach DWZ aufgeteilt waren. Jedem Teilnehmer stand es jedoch frei, sich unabhängig von seiner DWZ für die A-Gruppe anzumelden. Der Sieger der A-Gruppe darf sich Pfälzischer Schnellschachmeister 2020 nennen.

In der A-Gruppe waren 13 Spieler am Start, in B- und C-Gruppe jeweils 5 Spieler, wobei B- und C-Gruppe mangels Teilnehmerzahl als gemeinsames Turnier mit getrennter Wertung durchgeführt wurden. Harald trat als DWZ-Favorit in der B-Gruppe an.
Zu spielen waren jeweils sieben Runden mit einer Bedenkzeit von 15 Minuten plus einem Inkrement von 5 Sekunden pro Zug.

Da ich von den Partien an den anderen Brettern leider sehr wenig mitbekommen habe, beschränke ich mich in der Folge auf einen Rundenbericht aus meiner Sicht.

Ich befand mich in der zweiten Hälfte der Setzliste und wurde in der ersten Runde mit Weiß gegen den Ex-Pirmasenser Simon Commercon (nun SG Speyer-Schwegenheim) hochgelost. Kurz vor Turnierbeginn hatte ich ihn beim Studium eines Theoriebuchs über die Pirc-Verteidigung gesehen, und tatsächlich kam in unserer Partie Pirc aufs Brett. Er war also im Gegensatz zu mir bestens vorbereitet! Um einem drohenden Angriff auf meinen König zu entgehen, tauschte ich früh die Damen. Das damenlose Mittelspiel war zunächst ausgeglichen, aber nach und nach kamen meine Figuren besser ins Spiel, so dass ich zunächst einen Springer gewann, und später im Endspiel auch die Partie.
Das Turnier ging mit einem Sieg schon einmal gut los für mich!

In der zweiten Runde hatte ich Schwarz gegen den mehrmaligen Schnellschach-Pfalzmeister FM Torsten Lang (SK Landau). Diesmal kam ich gut mit seinem Londoner System zurecht und ging mit einem leichten Plus aus der Eröffnung. Mittels eines vorübergehenden Bauernopfers gelang es mir, Linien am Damenflügel zu öffnen und einen Turm auf die zweite Reihe zu bringen. Ich bekam nicht nur den Bauern zurück, sondern konnte noch weitere Bauern einsammeln. Dank des Inkrements geriet ich nie ernsthaft in Zeitnot und konnte auch in dieser Partie meinen Vorteil sicher verwerten.
2 aus 2 gegen starke Gegner war für den Anfang schon mal nicht schlecht!

Die dritte Runde bescherte mir mit Philipp Rölle (SG Kaiserslautern) den Sieger des 5. Pirmasenser Nikolaus-Schnellschach-Opens 2018. In der von ihm gewählten sizilianischen Najdorf-Variante ergab sich eine von Taktik geprägte Partie, die ich mit einem zum Matt führenden Springeropfer abschließen konnte.
Mit 3 aus 3 war ich vor der Mittagspause alleiniger Tabellenführer!

Mit Nudelsalat gestärkt ging es weiter in die vierte Runde. Hier wartete Oleg Yakovenko (SG Kaiserslautern) auf mich. Ich wählte eine zweischneidige Variante im Königsinder, mit der Oleg offenbar nicht vertraut war, denn er verbrauchte viel Zeit und schaffte es nicht, mich vor größere Probleme zu stellen. Mit bequemer Stellung und deutlich mehr Zeit auf der Uhr nahm ich sein Remisangebot an. Ohne Risiko hätte ich die Partie nicht auf Gewinn spielen können, zudem reichte mir das Remis, um mit 3,5 aus 4 die alleinige Tabellenführung zu verteidigen.

In Runde Fünf bekam ich mit dem mehrmaligen Schnellschach-Pfalzmeister FM Karl-Jasmin Muranyi (SK Landau) einen schweren Brocken vorgesetzt. Karls Schwarz-Eröffnungen wirken oft harmlos, aber je länger die Partie dauert, desto deutlicher wird seine Fähigkeit, aus der Defensive heraus Chancen zu generieren. Während der Partie dachte ich, dass ich durch Angriffsmöglichkeiten gegen seinen König ausreichendes Äquivalent zu seinem Minoritätsangriff am Damenflügel besitze. Um meinen Angriff zu stoppen bot er mir einen Turmtausch an, aber statt in ein remisträchtiges Damenendspiel überzugehen, wich ich dem Turmtausch aus, wonach Karls Angriff gegen meinen König leider schneller war.
Mit 3,5 aus 5 musste ich mir die Tabellenführung nun mit einigen weiteren Spielern teilen.

In der sechsten Runde bekam ich erneut Weiß gegen FM Ingo Bruch (SG Kaiserslautern). Gegen sein Französisch packte ich eine Variante aus, die ich vor vielen Jahren analysiert hatte, damals aber zu der Erkenntnis gelangt war, dass sie nicht spielbar ist. Aber als Überraschungswaffe in einer Schnellpartie hielt ich sie nun für geeignet. Und tatsächlich galoppierte der schwarze Springer in eine Falle, aus der es kein Entrinnen mehr gab. Statt diesen abzuholen und damit gewisses Gegenspiel zuzulassen, begnügte ich mich mit einem Mehrbauern und Initiative, was letztlich zum Gewinn ausreichte.
Mit 4,5 aus 6 führte ich die Tabelle wieder alleine mit einem halben Punkt Vorsprung an.

In der letzten Runde wurde mir am ersten Brett überraschend der Tabellenletzte Matthias Huschens (SG Kaiserslautern) zugelost, der einen rabenschwarzen Tag erwischt hatte und erst 1,5 Punkte auf seinem Konto verbuchen konnte. Da ich gegen meine unmittelbaren Verfolger bereits gespielt hatte und für die nachfolgenden Spieler ebenfalls Gegner gefunden werden mussten, hielt das Auslosungsprogramm dies offenbar für die beste Lösung.
In einer wechselhaften Partie, in der beide Seiten Gewinnchancen ausließen, blieben am Ende nur noch die nackten Könige auf dem Brett.

Da ich die Ergebnisse der anderen Paarungen noch nicht kannte, wusste ich nicht, ob dieses Remis für den ersten Platz gereicht hat. Als Karl mich fragte, wie ich denn gespielt habe, und ich mit „remis“ und einer Gegenfrage nach seinem Ergebnis gegen Ingo Bruch antwortete, murmelte er „Verloren, aber das tut nichts zur Sache. Damit bist du durch.“.
Nun war mir klar, dass ich soeben Pfalzmeister im Schnellschach geworden war. Neben dem Gewinn von Pokal, Urkunde und Geldpreis habe ich mich somit für die Rheinland-Pfalz Schnellschachmeisterschaft qualifiziert, welche am 16. Mai in Trier ausgerichtet wird (hmm, also doch erst nach dem Kongress?).

Das Blitzturnier fand ohne Vorjahressieger Muranyi als Rundenturnier mit 16 Spielern statt.
Auch ich sparte mir die Teilnahme, weil ich der Meinung war, dass sich der Erfolg im Schnellschach an diesem Tag nicht mehr toppen lässt.
Pfalzmeister im Blitzschach wurde Marius Lauer (SG Kaiserslautern) mit 12 aus 15 dank besserer Feinwertung vor den punktgleichen Oleg Yakovenko (SG Kaiserslautern) und Jonas Zwick (SK Dahn).

Der zweite Pirmasenser Harald Lares wurde mit 5 aus 7 Zweiter in der B-Gruppe des Schnellschachturniers. Er verlor keine Partie, holte aber nur 3 Siege bei 4 Remis, was für den ersten Platz nicht ausreichte. Souveräner Sieger war dort Daniel Kuhn (SK Landau) mit 6,5 aus 7. Werner Weller (SC Ramstein-Miesenbach) gewann mit 4 aus 7 die C-Gruppe.

Inzwischen liegen auf der Homepage des Pfälzischen Schachbunds ein Bericht von Landesspielleiter Jan Wilk sowie die Endtabellen der einzelnen Turniere vor:

Blitz- und Schnellschach-Ergebnisse